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Ouladnagim 23

Als Lehrerin und freiwillige Helferin in der Wüstenschule Convertir en PDF Version imprimable Suggérer par mail
Écrit par Mirjam Brunner   
24-08-2006
Mirjam, la première enseignante volontaires de l'école du désert d'Ouladnagim.Timbuktu, August 2006. Ursprünglich ist Mirjam als Touristin nach Timbuktu gekommen. Sie hat sich dann entschieden, als Freiwilligenlehrerin in der Wüstenschule Ouladnagim zu unterrichten. Hier erzählt sie uns was sie erlebt hat.

Mit zwei Freundinnen kam ich als Touristin nach Timbuktu. Wir wollten einen zweitägigen Kamelritt in die Wüste machen und kontaktierten Shindouk, der im Reiseführer als Guide empfohlen wird.

Während dem Wüstentrip erzählte uns Shindouk, dass er der Chef eines Tuaregstammes ist und für seine Communauté einen Ziehbrunnen und eine Schule baute. Er werde von seiner Schweizerfreundin Viola unterstützt und sie seien schon sehr weit gekommen, es fehle nur noch ein Lehrer.

Ich wollte sehr gerne sehen, wie diese Tuareg mitten in der Wüste leben und unterrichte gerne. Vor drei Jahren unterrichtete ich ein halbes Jahr an einer Primarschule in Ghana und dachte, ich hätte dort schon einige Erfahrungen bezüglich Schule in Afrika gemacht.

Meine Freundinnen ermutigten mich bei Shindouk zu bleiben und die restlichen Wochen meines Maliaufenthaltes hier zu verbringen. Shindouk organisierte einen 4x4 und wir fuhren am 15. Juli 2006 ab. Es war ein aufregendes und ein bisschen unheimliches Gefühl, auf einer Piste immer weiter ins Nichts zu fahren. Immer wenn wir oben auf einer Sanddüne waren, sah man einfach unendlich viele weitere Dünen, und nirgends ein Haus. Irgendwann hörte die Piste auf und ich fragte mich, wie der Chauffeur weiss, in welche Richtung er weiterfahren muss.

Nach mehreren Stunden Fahrt kamen wir zu einem Zelt und Shindouk erkundigte sich, wo seine Familie im Moment wohnt. Wir erfuhren, dass sich alle verstreut haben, damit ihre Tiere Futter finden und dass nur die Grossmutter und ein paar Familienmitgliedern im permanenten Zelt nahe des Ziehbrunnens geblieben seien.

Dort wurden wir herzlichst empfangen, und sie begannen gerade einen Willkommenstee zu kochen. Ein Mädchen brachte mir einen Schleier und die Grossmutter schenkte mir eine Halskette. Zwei Männer gingen ein Schaf schlachten und die Grossmutter kochte Reis.

Normalerweise essen die Tuareg am Morgen Hirsebrei und am Abend Hirsebrei. Nur an Festen oder wenn Besuch kommt gibt es Fleisch und Reis. Mir wurde die Leber serviert, denn sie gilt als das edelste Stück Fleisch.

Am nächsten Tag bemalten sie meine Hände mit Henna und brachten Sheabutter mit getrockneten Kräutern, die man einmassiert, damit man gesund und stark bleibt.

So wurde ich in die Familie aufgenommen und ich gab mein Bestes, mich auch wie ein Familienmitglied zu verhalten. Aber ich kam nicht aus dem Staunen hinaus: Dass es in der Wüste keine Strassen und keinen Strom und somit auch keine Lampen, kein Telefon, keinen Kühlschrank etc. gibt wusste ich ja. Aber wie die Tuareg mit NICHTS leben konnte ich mir nicht vorstellen. Sie haben einfach ihre Schafe, Ziegen und Kamele, ein Zelt, eine Feuerstelle, eine Teekanne, einen Hirsestampfer und Gebetsmatten. D.h. sie haben weder Stuhl noch Tisch, kein Bett, kein Papier (weder Buch noch Notizpapier noch Zeitung, keinen Ausweis, kein WC-Papier, keinen Kalender…), keine Früchte, kein Gemüse, keine Zahnbürste, kein Spielzeug, keine Uhr und somit auch keinen Abfall. Der einzige Luxus den sie haben, ist eine Kiste mit Schmuck und Moskitonetze und Decken, die sie aus dem Flüchtlingslager mitnahmen als die Rebellionszeit Ende Neunzigerjahre vorbei war.

In dieser Umgebung zu unterrichten ist nicht zu vergleichen mit allem was ich bis jetzt erlebt habe. Am meisten beeindruckte mich, wie sehr sie lernen wollen: Nicht nur die Kinder, sondern auch die erwachsenen Männer und die fünfzehnjährigen Mütter. Ihre Konzentration und Ausdauer sind unglaublich!

Wenn ich nicht mehr unterrichten mochte, mussten wir Stifte und Hefte einsammeln und verstecken und sogar dann schrieben sie "A B C" in den Sand und wiederholten immer und immer wieder "1 2 3…"!

Ich begegnete natürlich auch einigen Schwierigkeiten. In der Communauté spricht niemand Französisch und auch die Zeichensprache ist schwierig. Z.B. die Bewegung für "trinken" ist ganz anders, weil sie nicht aus einem Glas oder einer Flasche, sondern von Hand aus einer Schüssel trinken. 

Auch bei meinen Zeichnungskünsten stiess ich an Grenzen: Ich kann schon ein Haus, einen Fisch oder eine Blume zeichnen, aber das kennen sie ja nicht, und ein Nomadenzelt, ein Kamel oder Sand sind für mich schon schwieriger auf Papier zu bringen! Als Kennzeichen eines Mannes kann man nicht einfach einen Hut auf den Kopf zeichnen, sondern einen Turban…

Nur ein Teil der Tuareg-Gemeinschaft besuchte meinen Unterricht, da zu dieser Jahreszeit die Familien besonders weit verstreut sind, damit ihre Tiere Futter finden. Es kamen Leute von weit her geritten um mich einzuladen, auch ihren Kindern Schreiben beizubringen. Einmal ritten wir zu einem Zelt, das etwa drei Stunden Kamelritt entfernt ist. Jemand ritt einen Tag und eine Nacht bis zu uns um mich einzuladen, aber das fand ich dann doch zu weit weg. In der Jahreshälfte, in der die Familien in den permanenten Zelten um den Ziehbrunnen wohnen, wird der Schulweg kürzer sein, weniger als eine Stunde.

Ich merkte auch, wie schon fünfjährige Kinder als Arbeitskräfte gebraucht werden und die Tiere hüten. Einmal kam bei Sonnenuntergang unerwartet ein starker Sandsturm auf und es blieb nicht genug Zeit, um die Tiere zusammen zu treiben. Am nächsten Morgen kamen nur die Mädchen in die Schule, weil die Jungen die Tiere suchen mussten. Sie kamen dann einfach am Nachmittag mit ihren Heften zu mir. Eine fünfzehnjährige Mutter hat ein krankes Baby und wenn es während der Unterrichtszeit einen Hustenanfall hatte, musste sie gehen und wollte dann dafür lernen wenn das Baby schlief.

Ein Lehrer, der sich an einen Stundenplan halten will, muss aber Geduld haben, bis die Schüler sich daran gewöhnen, denn bis jetzt hat hier niemand eine Uhr.

Vor unserer Rückreise nach Timbuktu mussten wir Abschied nehmen, was uns allen schwer fiel. Die fünfzehnjährige Mutter mit dem kranken Baby stieg mit uns ins Auto. Shindouk erzählte mir, dass schon zwei Babys im Lager an einer Krankheit gestorben seien und er stellte sich die Frage, ob dieses Kind wohl auch gestorben wäre, wenn wir es nicht mit nach Timbuktu ins Spital genommen hätten? Nach etwa vier Stunden Fahrt begegneten wir einer Familie, die seit sieben Tagen unter einem Baum wartete, in der Hoffnung, dass ein Auto vorbeikomme das sie mit nach Timbuktu nehme. Sie wollten ihre kranke Grossmutter dort ins Spital bringen. Sie stiegen in unser Auto und versteckten ihre Gesichter hinter dem Schleier und zitterten vor Angst, da sie noch nie in einem Auto sassen.

Die Woche bei den interessierten Tuaregs mit ihren strahlenden Gesichtern, in der Ruhe ohne Auto- und Radiolärm, werde ich nie vergessen. Wenn der Transport nicht so schandhaft teuer wäre, würde ich sofort nochmals hingehen. Aber man muss einen 4x4 für einen Tag mieten und das Benzin für Hin- und Rückweg bezahlen. Dann muss man sofort sagen, wann er einen wieder abholen kommen soll, denn per Zufall kommt hier nie ein Fahrzeug durch und das nächste Telefon ist etwa zwei Tage Kamelritt entfernt. Mit dem Geld, das mich der Transport ins Campement und einige Wochen später zurück kosten würde, kann ich einen Lehrer bezahlen, der dort ein Jahr lang unterrichtet!

 

Mirjam Brunner

Dernière mise à jour : ( 24-10-2006 )
 
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